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01.07.2020

Viel Leid und hohe Kosten

Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft: Vergleichsweise viele Unfälle

Absturzsicherung BG Bau

Vorsorge ist besser als Nachsorge - und vor allem günstiger. „Bau auf Sicherheit. Bau auf Dich“ - so lautet denn auch das Präventionsprogramm der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU). Die Anzahl der Unfälle auf dem Bau ist vergleichsweise hoch.

Wie viele Unfälle gab es im vergangenen Jahr auf den Baustellen? Die offiziellen Unfallzahlen für das Jahr 2019 liegen zwar noch nicht vor, wie die BG Bau jetzt auf Anfrage mitgeteilt hat. Doch Tendenzen sind schon zu erkennen: Demnach wird die Anzahl der Arbeitsunfälle „ungefähr genauso hoch“ sein wie 2018. Damals wurden knapp 129.000 Arbeits- und Wegeunfälle registriert.

Das wertet die BG Bau als „gutes Zeichen“. Denn: Die Anzahl der versicherten Beschäftigten stieg im vergangenen Jahr um 102 597. Folge: Umgerechnet auf jeweils 1000 Personen, ist die Anzahl der Arbeitsunfälle sogar leicht zurückgegangen. Dafür gibt es eine Kennzahl: TPQ - die Tausend-Personen-Quote.


 
 

Unfall-Quote doppelt so hoch

Bei der TPQ „verzeichnen wir einen langsamen, aber kontinuierlichen Rückgang“, heißt es denn auch seitens der BG Bau. Aber: „Sorge bereitet uns nach wie vor der Umstand, dass wir mit unserer TPQ noch immer mehr als doppelt so hoch liegen wie der Durchschnitt der gesamten gewerblichen Wirtschaft in Deutschland und dass die Anzahl schwerer und tödlicher Absturzunfälle einen Schwerpunkt bilden.“

Tatsächlich lag die TPQ im Jahr 2018 in der gesamten gewerblichen Wirtschaft bei 24,91 - mithin gab es knapp 25 Unfälle je 1000 Beschäftigte. In der Bauwirtschaft liegt die TPQ indessen bei 53,07. Folglich wurden 53 Unfälle je 1000 Beschäftigte gezählt. Mithin hat rund jeder 19. Beschäftigte einen Unfall auf dem Bau zu beklagen.


„Alarmierende Zahlen“

Schon im Mai dieses Jahres - gefolgt von einer weiteren Pressemitteilung im Juni - hat die BG Bau auf „alarmierende Zahlen am Bau“ hingewiesen. Denn: Von Mitte März bis Ende April waren bereits 15 Menschen auf deutschen Baustellen ums Leben gekommen. In den ersten fünf Monaten dieses Jahres ereigneten sich gar 40 tödliche Unfälle auf den Baustellen - das sind nach Angaben der BG Bau fast 20 Prozent mehr als im Vorjahr, als exakt 88 Todesfälle auf dem Bau zu beklagen waren (2017 ebenfalls 88).

Nahezu die Hälfte der tödlichen Unfälle in diesem Jahr lassen sich auf Abstürze oder Durchstürze zurückführen. Ursache: Verstöße gegen Arbeitsschutzvorschriften. Probleme bereiten aber auch das „fehlende Gefahrenbewusstsein sowie Nachlässigkeit von manchen Beschäftigten“, so die BG Bau.


„Ganz selbstverständlich STOPP sagen“

Die Berufsgenossenschaft teilt auf Anfrage mit: „Die hohe Anzahl schwerer und tödlicher Absturzunfälle verursachen nicht nur viel Leid bei den Betroffenen und Angehörigen, sondern auch enorme Kosten für die Rehabilitation und Entschädigung.“ Wichtig sei, „ein Umdenken bei allen Beteiligten zu erreichen. Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit müssen zum Selbstverständnis für alle Beteiligten werden.“ Jede und jeder müsse „ganz selbstverständlich STOPP sagen, wenn akute Gefahr für Leben und Gesundheit besteht“.

Und Corona? Tatsächlich sorgt die Pandemie nach Ansicht der BG Bau auch auf dem Bau für alle Beteiligten „auf vielfältige Art und Weise für Stress“. Neben der oft persönlichen Betroffenheit seien auch die „üblichen Abläufe häufig gestört“, mithin Lieferung, Sicherheitskoordination, Fahrgemeinschaften und anderes. Ferner gilt es „zusätzliche Maßnahmen“ wegen des Coronavirus zu beachten, also Gesundheit und Hygiene. Zudem seien Bauherren, Unternehmen und Beschäftigte auch von finanziellen Problemen bedroht.


Platz 1: Hautkrebs

Die BG Bau hat deshalb schon sehr früh damit begonnen, Unterstützungsangebote für Unternehmen zu entwicklen und zu veröffentlichen. Dennoch schließt die BG Bau nicht aus, „dass das Thema Arbeitsschutz vom Coronavirus überschattet wird“.

Übrigens: Die häufigste Berufskrankheit, die im vergangenen Jahr im Bereich der BG Bau angezeigt wurde, ist der weiße Hautkrebs (2944 Fälle). Ursache: zunehmende UV-Strahlung und längere Hitzeperioden. Auf Platz zwei und drei der häufigsten Berufskrankheiten folgen Lärm und Lungenkrebs durch Asbest.


 
 

Die BG Bau

Die BG BAU ist die gesetzliche Unfallversicherung für die Bauwirtschaft und baunahe Dienstleistungen und damit ein wichtiger Pfeiler des deutschen Sozialversicherungssystems. Sie betreut ca. 2,8 Millionen Versicherte in rund 500.000 Betrieben und ca. 50.000 privaten Bauvorhaben. Zusätzlich fördert die BG BAU im Rahmen ihres gesetzlichen Auftrags Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz, um Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten zu vermeiden. Kommt es dennoch zu Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten, bietet die BG BAU umfassende medizinische Betreuung und Rehabilitation mit allen geeigneten Mitteln, sorgt für die Reintegration der Betroffenen und leistet finanzielle Entschädigung. Weitere Informationen unter www.bgbau.de.

Autor: Patrick Fritsch | Datum: 01. Juli 2020


Über die Arbeitsschutz Aktuell

Die Arbeitsschutz Aktuell findet vom 6.– 8. Oktober 2020 mit Fachmesse und Kongress in der Messe Stuttgart statt. Der dreitägige Kongress steht unter dem Motto „Sicher und gesund arbeiten“. Die Arbeitsschutz Aktuell 2020 in Stuttgart erwartet über 10.000 Fachbesucher, 300 Aussteller und 1.000 Kongressteilnehmer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die Fachvereinigung Arbeitssicherheit e.V. (FASI) ist ideeller Träger der des Fachkongresses. Die Fachvereinigung Arbeitssicherheit (FASI) ist Dachverband der drei Organisationen „Verein Deutscher Gewerbeaufsichtsbeamter“ (VDGAB), „Verein Deutscher Revisions-Ingenieure“ (VDRI) und „Verband für Sicherheit, Gesundheit und Umweltschutz bei der Arbeit“ (VDSI). Seit ihrer Gründung 1972 ist die HINTE Messe- und Ausstellungs-GmbH Veranstalter der Arbeitsschutz Aktuell.

 
 

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